Der Mietspiegel für Solingen ist vor allem ein Werkzeug für saubere Vergleichsmieten
- Die aktuell veröffentlichte Fassung ist ein einfacher Mietspiegel; die Version 2025 schreibt die Werte von 2024 unverändert fort.
- Er gilt für frei finanzierte Mietwohnungen im Stadtgebiet und arbeitet mit Nettokaltmieten pro Quadratmeter.
- Entscheidend sind vor allem Baujahr, Wohnlage und Wohnungsgröße.
- Die Tabelle liefert Spannen, keine starre Punktmiete.
- Solingen gehört derzeit nicht zu den NRW-Kommunen mit abgesenkter Kappungsgrenze von 15 Prozent.
- Ausstattung wie Balkon, Aufzug oder ein modernisiertes Bad kann die Miete spürbar verschieben.
Was der Solinger Mietspiegel rechtlich leistet
Die Stadt Solingen stellt die aktuelle Fassung kostenlos als PDF bereit. Entscheidend ist der rechtliche Charakter: Es ist ein einfacher Mietspiegel nach § 558c BGB, also eine offizielle Orientierung für die ortsübliche Vergleichsmiete, aber ohne den stärkeren Status eines qualifizierten Mietspiegels. Für die Praxis heißt das: Er ist belastbar genug, um Mieten zu prüfen und Mieterhöhungen zu begründen, aber er verlangt eine saubere Einordnung des Einzelfalls.
Stand heute ist die öffentlich verfügbare Fassung 2025; sie führt die Werte des Mietspiegels 2024 unverändert fort. Inhaltlich gilt sie für frei finanzierte Mietwohnungen im gesamten Stadtgebiet, also nicht für preisgebundene Wohnungen. Außerdem basiert sie auf tatsächlichen Neuvertrags- und geänderten Bestandsmieten, nicht auf Angebotsmieten aus Immobilienportalen.
| Punkt | Bedeutung für die Praxis |
|---|---|
| Typ | Einfacher Mietspiegel nach § 558c BGB |
| Geltungsbereich | Frei finanzierte Mietwohnungen in Solingen |
| Datenbasis | Reale Mietverträge und geänderte Bestandsmieten |
| Stand | 2025 veröffentlicht, Werte identisch mit 2024 |
| Verwendung | Orientierung für ortsübliche Vergleichsmiete und Mieterhöhungen |
Wer den Mietspiegel richtig lesen will, muss zuerst verstehen, wie die Tabelle aufgebaut ist. Genau das zerlege ich im nächsten Abschnitt Schritt für Schritt.

So lese ich die Tabelle ohne Rechenfehler
Ich beginne immer mit denselben drei Fragen: Wann wurde die Wohnung gebaut oder zuletzt grundlegend modernisiert? In welcher Wohnlage liegt sie? Wie groß ist sie nach Wohnflächenverordnung? Erst wenn diese drei Bausteine stimmen, ergibt die Tabelle einen vernünftigen Wert.
- Baujahr oder Sanierungsjahr festlegen - Vorrangig zählt das Baujahr. Bei kernsanierten Wohnungen oder neu geschaffenem Wohnraum kann das Sanierungs- oder Ausbaujahr entscheidend sein.
- Wohnlage richtig einordnen - Die Tabelle kennt mindere Wohnlage I, mittlere Wohnlage II und gute Wohnlage III. Laut Erläuterung liegt der Großteil der Wohnungen in Solingen in der mittleren Lage.
- Wohnfläche sauber messen - Relevant sind die Klassen bis 50 m², über 50 bis 80 m² und über 80 m². Die Berechnung folgt der Wohnflächenverordnung.
- Grundwert aus Tabelle A ablesen - Dort steht die Spannweite für den Quadratmeterpreis, abhängig von Baujahr, Lage und Größe.
- Zu- und Abschläge aus Tabelle B addieren - Ausstattung und Zustand verschieben den Wert nach oben oder unten.
- Auf die Monatsmiete hochrechnen - Quadratmeterwert mal Wohnfläche ergibt die nettokalte Monatsmiete.
Der wichtigste Denkfehler ist meist nicht die Rechnung, sondern die falsche Zuordnung. Wer die Lage zu gut bewertet oder die Fläche nach Bauchgefühl ansetzt, landet schnell neben der realistischen Vergleichsmiete. Die eigentliche Spannweite sieht man erst an den Zahlen.
Welche Werte in Solingen derzeit grob herauskommen
Für viele Bestandswohnungen ist die mittlere Wohnlage II in Verbindung mit einer Wohnfläche zwischen 50 und 80 m² der sinnvollste Orientierungsrahmen. Genau dort zeigt der Mietspiegel, wie stark das Baujahr die Miete beeinflusst. Alle Werte sind Nettokaltmieten pro Quadratmeter.
| Baujahrgruppe | Spannweite bei 50 bis 80 m² und Wohnlage II |
|---|---|
| Bis 1948 | 4,39 bis 5,04 €/m² |
| 1955 bis 1970 | 5,48 bis 6,13 €/m² |
| 1976 bis 1980 | 6,13 bis 7,28 €/m² |
| 1986 bis 1993 | 8,15 bis 9,16 €/m² |
| 2011 bis 2017 | 8,46 bis 9,42 €/m² |
| Ab 2018 | 12,57 bis 12,82 €/m² |
Die Spannbreite im gesamten Mietspiegel reicht grob von knapp unter 4 €/m² bis deutlich über 13 €/m², je nach Baujahr, Lage und Größe. Das zeigt ziemlich klar: In Solingen ist das Baujahr kein Randdetail, sondern der stärkste Preistreiber. Eine 70 m² Wohnung aus den Jahren 1986 bis 1993 liegt damit grob bei 571 bis 641 Euro nettokalt; bei einem Neubau ab 2018 wären es eher rund 880 bis 897 Euro.
Genau deshalb reicht der reine Quadratmeterwert noch nicht. Erst die Ausstattung entscheidet, ob man im unteren, mittleren oder oberen Bereich der Spanne landet.
Welche Zu- und Abschläge in der Praxis zählen
Die Tabelle B ist für die Praxis oft der Teil, der am meisten Streit auslöst. Ich würde sie als Liste von Wohnwertmerkmalen lesen, also von Eigenschaften, die über Baujahr und Fläche hinaus den Mietwert beeinflussen. Einige Punkte sind in Solingen besonders relevant, weil sie im Bestand häufig vorkommen.
| Merkmal | Wirkung |
|---|---|
| Separates Gäste-WC | +2 % |
| Zweitbad oder Zweitdusche mit WC | +3 % |
| Modernisiertes Bad in vor 1986 erbauten Wohnungen | +5 % |
| Aufzug | +4 % |
| Balkon, Loggia, Terrasse oder Garten | +1 bis +5 % |
| Wasserverbrauchserfassung | +2 % |
| Isolierverglasung 2-fach | +0,36 €/m² |
| Isolierverglasung 3-fach | +0,50 €/m² |
| Wärmedämmung | +0,40 bis +0,50 €/m² |
| Ohne Heizung | -0,80 €/m² |
| Ohne Dusche oder Bad | -0,70 €/m² |
| Souterrainwohnung | -0,10 €/m² |
| Fehlender Abstellraum außerhalb der Wohnung | -0,10 €/m² |
Wichtig ist die Logik dahinter: Prozentzuschläge werden auf die Summe der Tabellenwerte angewendet, Euro-Abschläge direkt pro Quadratmeter abgezogen. Ich prüfe solche Merkmale nie isoliert, sondern immer im Gesamtbild. Ein Balkon macht eine Wohnung nicht automatisch teuer, und ein Aufzug ersetzt keine gute Lage. Der nächste Schritt ist deshalb die Frage, was das für neue Mietverträge und Mieterhöhungen bedeutet.
Was das für Mieterhöhungen und neue Mietverträge bedeutet
Für laufende Mietverhältnisse bleibt die ortsübliche Vergleichsmiete der zentrale Maßstab. In Solingen gilt derzeit nicht die abgesenkte NRW-Kappungsgrenze von 15 Prozent, weil die Stadt in der aktuellen Mieterschutzverordnung des Landes nicht enthalten ist. Damit bleibt grundsätzlich die allgemeine Grenze von 20 Prozent innerhalb von drei Jahren relevant, sofern keine anderen Besonderheiten vorliegen.Bei neuen Mietverträgen ist ebenfalls wichtig, dass Solingen derzeit nicht zu den 57 Kommunen gehört, für die das Land NRW die Mietpreisbremse erweitert hat. Das heißt nicht, dass jede geforderte Miete automatisch sinnvoll ist. Aber die spezielle Landesbegrenzung von 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete greift hier aktuell nicht. Gerade deshalb lohnt sich ein sauberer Vergleich mit dem Mietspiegel besonders.
| Situation | Konsequenz in Solingen |
|---|---|
| Bestandsmiete erhöhen | Mit dem Mietspiegel begründen und die 20-Prozent-Grenze im Blick behalten |
| Neuvermietung | Keine aktuelle NRW-Mietpreisbremse für Solingen aus der Mieterschutzverordnung |
| Streitfall | Baujahr, Lage, Fläche und Ausstattung schriftlich sauber herleiten |
| Preisprüfung | Nettokaltmiete pro m² mit der passenden Tabellenzeile abgleichen |
Wenn ich einen 70-m²-Vertrag prüfe, rechne ich deshalb nicht nur den Quadratmeterwert aus, sondern auch die rechtliche Einordnung mit. Eine Miete kann rechnerisch plausibel wirken und trotzdem falsch begründet sein, wenn die Wohnlage oder die Wohnfläche nicht stimmen. Genau an dieser Stelle passieren die meisten Fehler.
Wo in der Praxis die meisten Fehler passieren
Die häufigsten Probleme entstehen nicht bei der Formel, sondern bei der Ausgangsbasis. Ich sehe immer wieder dieselben Missverständnisse, und fast alle lassen sich vermeiden, wenn man sauber dokumentiert und nicht zu optimistisch einordnet.
- Wohnfläche wird geschätzt statt gemessen - Schon wenige Quadratmeter verschieben die Miete spürbar, vor allem in kleineren Wohnungen.
- Die Lage wird zu gut bewertet - Viele Wohnungen werden reflexartig als gute Lage eingeordnet, obwohl der Mietspiegel in Solingen die mittlere Lage als Normalfall beschreibt.
- Angebotsmieten werden mit Vergleichsmieten verwechselt - Was in Inseraten steht, ist oft kein belastbarer Maßstab für die ortsübliche Vergleichsmiete.
- Nettokalt und warm werden vermischt - Der Mietspiegel arbeitet mit der Kaltmiete ohne Betriebs- und Heizkosten.
- Ausstattungseffekte werden überschätzt - Ein Balkon oder ein Aufzug helfen, aber sie ersetzen keine gute Grundsubstanz.
- Regeln aus anderen NRW-Städten werden einfach übertragen - Solingen ist aktuell nicht Teil der erweiterten Mieterschutzkulisse des Landes.
Wer diese Fehler vermeidet, hat schon die halbe Arbeit erledigt. Was am Ende übrig bleibt, ist eine saubere, nachvollziehbare Prüfung der Unterlagen - und genau die lohnt sich in Solingen fast immer.
Mit diesen Unterlagen prüfe ich eine Solinger Miete am saubersten
Für eine belastbare Einordnung sammle ich immer dieselben Unterlagen: Mietvertrag, letzte Mieterhöhung, Wohnflächenberechnung, Baujahr, Hinweise zu Modernisierungen, Fotos der Ausstattung und - wenn vorhanden - Angaben zu Fenster, Heizung und Warmwasser. Aus diesen Punkten lässt sich die richtige Tabellenzeile meist ohne Rätselraten bestimmen.
- Mietvertrag und letzte Mieterhöhung
- Wohnflächenberechnung nach Wohnflächenverordnung
- Baujahr oder Jahr einer Kernsanierung
- Angaben zu Bad, Heizung, Fenstern und Wärmedämmung
- Hinweise zu Balkon, Aufzug, Abstellraum und weiteren Extras
Wenn die Einordnung knapp ist, gehe ich in Solingen lieber konservativ vor und dokumentiere die Herleitung sauber. Genau das macht aus einer bloßen Zahl einen wirklich brauchbaren Mietvergleich - und verhindert, dass aus einer simplen Schätzung später ein unnötiger Streit wird.